Konzert in Frankfurt / Main - Höchst

Samstag, 02.07.2011

Franziska von der Heyde

In der Probe heißt es auf einmal, wir fahren nach Frankfurt zum Stadtfest. Große Fragezeichen auf allen Gesichtern sind die Folge, bei einigen kommt die Erinnerung auf: "Ach, da ging ja mal eine Teilnehmerliste rum, aber war das nicht letzten Sommer?!" Ok, eigentlich habe ich am 02. Juli noch nichts vor und die Leute die mitfahren sind auch nett. Auf unserem Sommerfest liegt eine Liste aus, also schnell eingetragen.

 

Der Wecker klingelt, an einem Samstagmorgen früh um 7.00 Uhr, der erste Gedanke: "Warum tue ich mir so etwas an?" Also aufgestanden und Tasche gepackt, vorsorglich den Großteil der Auftrittsklamotte angezogen, wer weiß wie es mit Umziehmöglichkeiten aussieht. Ich verlasse das Haus und die Feierwütigen der letzten Nacht kommen nach Hause. Die Bahn ist, wie nicht anders erwartet, leer. Schnell noch zum Bäcker, Verpflegung besorgen, jetzt zur Thomaskirche hetzen, es ist schon 8.25 Uhr, 8.15 Uhr war der vereinbarte Treffpunkt. An der Thomaskirche angekommen, stelle ich fest, dass ich noch lange nicht die letzte bin, es sind erst 3 weitere da. Scheinbar haben wir noch Zeit, also noch einen Kaffee holen, auf dem Weg dorthin begegnen wir unserer Chorleiterin, wie immer ein akademisches Viertel zu spät, Künstler halt. Sie gibt noch schnell ihre Bestellung ab und fährt weiter. Kaffee gekauft und zurück zur Kirche, jetzt geht die Schlepperei los, schnell alles zur Straße getragen, der Bus müsste gleich kommen. Da ist er und er ist groß, wir hatten mit was Kleinerem gerechnet, jetzt alles einladen und Plätze suchen.

 

Wir haben die Rückbank erobert, es kann losgehen.

 

Fotos unserer letzten Auftritte und Ausflüge laufen über die Bildschirme, vorne wird geschlafen, hinten gequatscht.

 

Schon sind 2 1/2 h um und die erste Pause steht an, alle einmal auf Toilette, um 12.00 Uhr geht es weiter. Wir haben die Hälfte der Strecke geschafft.

 

Neben mir wird über Schallwellen gefachsimpelt, ich versteht nur Bahnhof, dann hör ich mir doch lieber die Aufnahmen unserer letzten Konzerte an. Da taucht die Frankfurter Skyline vor uns auf, wie immer beeindruckend. Es kommt die Durchsage, dass wir unsere Sachen zusammenpacken sollen und überlegen sollen, was im Bus bleiben soll, schon sind wir in Höchst und quetschen uns mit dem Riesenbus durch die engen Gassen. Rückwärts manövriert der Busfahrer am Rhein entlang, Richtung Kirche. Wir sind da!

 

Schnell alles ausladen und hoch zur Kirche tragen, der Weg dorthin ist steil und lang, da sind die Kabelkoffer gleich dreimal so schwer. Oben angekommen wird alles in der Kirche verstaut. Jetzt ist Zeit sich Höchst einmal anzuschauen, das Ergebnis ist ernüchternd, bis auf ein schönes Fachwerkhäuserviertel, ist Höchst eine durchschnittliche westdeutsche Stadt.

 

Wir machen uns auf die Suche nach dem restlichen Chor, gefunden, sie sitzen, in einer Gaststätte, wir setzen uns mit dazu, es wird gemeinschaftlich Flammkuchen und Kartoffelschalen bestellt, alles lacht und albert herum. 16.45 Uhr wir müssen zur Kirche aufbrechen, Technikaufbau ist angesagt, aus dem Aufbau entsteht der erste Soundcheck und dann wird doch noch geprobt. Alles klappt, obwohl wir nur in kleiner Besetzung angereist sind, 2 Bässe, 2 Tenöre, also eigentlich Tenösen, 5 Soprane und 7 Altistinnen, dazu kamen noch Erik an der Gitarre, Eva als Chorleiterin und unsere beiden Techniker.

 

Nach der Probe die Frage der Fragen: "Und jetzt?" Eine kleine Gruppe versammelt sich um einen schmalen Tisch, es gilt kleine Schnapsfläschchen in ein bestimmtes Feld zu schieben, Anfeuerungsrufe und Jubelschreie sind die Folge und spätestens jetzt weiß ganz Höchst, dass wir da sind.

 

Wir haben noch 2 1/2 Stunden Zeit, bis das Konzert beginnt, trinken wir halt noch einen Kaffee, immer noch eine Stunde, langsam kommt Müdigkeit auf, wir entdecken eine spanische Flamencogruppe. Doch auch die Vorstellung geht vorbei und wir werden noch müder, wir finden eine freie Bank, der Ausblick ist toll.

 

20.40 Uhr, wir müssen los, alle ziehen sich schnell in der Kirche um, die Kirche ist schon jetzt voll, zum einsingen noch eine Runde, Mango-Kiwi-Ananas-Banane und es kann losgehen.

 

Wir verteilen uns in der Kirche und beginnen mit "The Lord is in his holy temple", es klappt und klingt gut. Wir laufen ein mit "come into his presence", die Stimmung ist gut, das Publikum hat Spaß und wir drehen nochmal richtig auf, alle Müdigkeit ist vergessen. Dieses Mal ist noch eine Oboistin zu Besuch, sie begleitet uns bei "Thy will be done" und spielt vorneweg ein Stück aus einer Partita von Bach, das war unglaublich schön.

 

Die Stunde ist schon vorbei, jetzt müssen wir uns leider schon verabschieden, wir bekommen Standing Ovation und tosenden Applaus, natürlich geben wir noch eine Zugabe, "Freedom is coming", damit gehen wir auch ab und sammeln uns am anderen Ende der Kirche, um uns bei unseren beiden Technikern zu bedanken. Wir müssen noch die Technik abbauen, alle sind euphorisch, gut gelaunt und überdreht, die Gastgeber laden noch in eine Gaststätte ein.

 

Wir stoßen alle miteinander an, alle feiern, dann ist es 23.30 Uhr Zeit aufzubrechen, alles läuft zurück zur Kirche, wir sollten schon längst wieder Richtung Leipzig unterwegs sein, jeder schnappt sich einen Teil der Technik und trägt ihn im Eiltempo runter zum Bus, um 23.40 Uhr fahren wir los.

 

Katja gibt im Bus für alle eine Runde Schnaps aus und es wird weiter gesungen und gelacht. Die ersten schlafen, der hintere Busteil singt und tanzt noch immer. Um 2.30 Uhr Pause, danach wird es ruhig im Bus, die meisten schlafen. 5.30 Uhr endlich zurück in Leipzig, es regnet in Strömen, ein letztes Mal tragen wir die Technik aus dem Bus. Jetzt nur noch ein Taxi finden, dass einen nach Hause bringt, um 6.30 Uhr falle ich endlich ins Bett, mein letzter Gedanken vor dem Einschlafen: "ein schöner Tag, unser Chor ist einfach gut und da lohnt sich auch ein 24 Stunden Tag."